Home
Nach oben
SV Görlitz intern
Mannschaften
Turniere
Foren & Fun


Was ist neu? powered by crawl-it

Ausstellung "Michael Goller. Schachbilder"

NeisseGalerieFotos vom Aufbau und der Vernissage zur Ausstellung sind im Fotoalbum zu finden. Unser lokaler Fernsehsender euro Regional-TV hat einen Film über die Ausstellung gedreht. Auch die Presse hat darüber berichtet.

Aufbau

Am Morgen des 11. März 2008 trifft der Chemnitzer Maler Michael Goller mit einem französischen PKW (deutsche Autos sind in unserer Region seit der Grenzöffnung bei Dieben sehr beliebt!) im sonnigen Görlitz ein. Die üblichen Parkplatzprobleme in der Görlitzer Innenstadt halten uns nicht davon ab, zunächst die zahlreichen Bilder in den oberen Bereich der NeisseGalerie zu bringen (die Parkplatzsuche wird später noch elegant gelöst...). Fast alle Bilder sind gut geschützt in Folie verpackt. Nur das neueste Werk, das "Theologische Experiment", ist noch nicht ganz trocken und hat deshalb einen Sonderplatz im Kofferraum erhalten.

Von den Räumlichkeiten in der NeisseGalerie ist Michael Goller begeistert. Nun wird alles ausgepackt. Erste Ideen, was wo hängen soll. Rahmen (leider nur in einer Größe) begutachten. Die gibt es vorwiegend mit weißem, aber auch drei Mal mit rotem und sogar mit blauem Passepartout. Blau geht schon mal gar nicht, da waren wir uns einig. Von Rot war ich zunächst nicht so begeistert, aber wir haben es einfach ausprobiert: Für die beiden "Schachspieler" passte es bestens, und auch die drei vergleichsweise sehr kleinen Papierarbeiten mit den "Schachfiguren" entfalteten durch den Hintergrund erst die volle Wirkung. Diese drei Rahmen bilden im kleineren Raum den Einstieg in die Ausstellung.

Das größte und auch von den Farben her temperamentvollste Ölbild, das "Theologische Experiment", findet schnell seinen Platz an der schmalen hinteren Wand. Da ist es bereits von weitem sichtbar. Daneben passt die gerahmte "Ikone mit Läufer".

An der langen linken Wand mit viel Platz zur Empore findet mit den drei "Erinnerungen an Licht" das Herzstück der Ausstellung seinen Platz. Diese drei Arbeiten bilden auch das Titelbild des 2008er Schaufensterheftes. Links davon hängt mit "Affe, Giraffe, Elefant" ein Bild, was auf Wunsch von Michael Gollers Sohn Julius entstanden ist. Rechts davon ist noch genug Wand für die übermalten Köpfe, die nun den Titel "Asperger-Syndrom" tragen.

Die längste Wand der Galerie hat den kleinen Nachteil, dass von der Wand bis zur Empore nur ein recht schmaler Gang ist. Der Betrachter steht also direkt vor den Bildern oder von der anderen Seite der Empore aus relativ weit weg. Die Mitte der noch dazu stark unterteilten Wand bietet sich deshalb optimal für die fünf kleinsten Ölbilder, die Serie "Schachfiguren", an. Rechts davon entfalten die drei "Internal Server Error" ihre Wirkung. Diese sind bereits vom kleineren Raum aus zu sehen. Links bilden zwei der übermalten Landkarten und eine der beiden titellosen Tuschzeichnungen den Übergang vom "Theologischen Experiment" zu den "Schachfiguren".

Beim Aufbau ist Teamwork angesagt. Michael Goller hat die Ölbilder aufgehängt, von denen das eine oder andere noch für die Befestigung an den Galerieseilen vorzubereiten war. Ich habe die Papierarbeiten eingerahmt. Aufgehängt und ausgerichtet haben wir gemeinsam. Die kleinsten Ölbilder haben uns am meisten Kopfzerbrechen bereitet. Für die Aufhängung an den Seilen waren sie zu leicht. Aber mit improvisierten Hängevorrichtungen halten sie nun an der Wand. Auch gegen das Rutschen der Papierbilder in den Rahmen sind Ideen gefragt und gefunden worden.

Am Eingangsbereich der NeisseGalerie kommt die andere gerahmte titellose Tuschzeichnung auf eine Staffelei und weist den Weg zur Ausstellung.

Zwischendurch haben wir uns Zeit für zwei Kaffeepausen genommen. Michael Goller hat Exemplare seiner Kataloge signiert. Und ich durfte sogar das aktuelle Skizzenbuch sehen. Gegen 16:30 Uhr hing alles optimal - Zeit für einen kleinen Stadtrundgang durch unsere schöne Stadt. In der Zwischenzeit bereitete Frau Ullrich von der NeisseGalerie die Getränke für die Vernissage vor.

Vernissage

Zurück vom Stadtbummel werden Michael Goller und ich schon von Siegfried Müller und meinem Mann begrüßt. Bis 18 Uhr treffen erstaunliche viele aktuelle und ehemalige Mitglieder unseres Schachvereines mit ihren Angehörigen, sowie Józef Sontowski mit Ehefrau ein. Nur von der Presse, die am Vortag noch zugesagt hatte, ist nichts zu sehen. Um 18:15 Uhr wollten wir nicht länger warten.

Zunächst begrüßte Siegfried Müller, der Präsident des Schachvereines Görlitz 1990 alle Anwesenden. Er überreichte Michael Goller einen Druck mit historischer Darstellung von Görlitz zur Erinnerung.

Auch der Görlitzer Kulturbürgermeister Ulf Großmann traf gerade noch rechtzeitig ein. In unserer Einladung zur Vernissage hatte ihn besonders überrascht, dass sich der Görlitzer Schachverein nun von einer völlig neuen Seite zeigt. Das hatte ihn neugierig gemacht.

 

Józef Sontowski, der Bürgermeisters von Zawidow (Seidenberg) folgte mit einer exzellenten Rede:

Als mich die Einladung zu der Ausstellung "Michael Goller – Schachbilder" erreichte, habe ich mir gedacht: 'Schade – schaffst du nicht'. Aber als dann noch mein Freund vom Schachverein, Günter Pätzold, angerufen hat, habe ich mich nur vergewissert: "Ist das eine Vorladung?" – und als er das bejahte, wusste ich: Jetzt ist Intelligenz gefragt! Wer ist GOLLER?! Was hat er den Leuten angetan? Wieso wird es richtig, wenn ich zu der Ausstellung gehe? Was hat sie mit Schach zu tun?

Diese Frage klärte sich als erste: Hier ein Satz aus Wikipedia, der Freien Enzyklopädie, ich zitiere: "Gollers Bilder bestehen aus verSCHACHtelten Ebenen…" (Ende Zitat). Also ist ER und seine Werke an der richtigen Stelle.
Ermutigt habe ich mich gefragt: Was könnte ich mit ihm Gemeinsames haben? Die erste Parallele war, er ist in Karl-Marx-Stadt geboren und lebt in Chemnitz. Ich bin in Brzesc in Polen geboren und das heißt jetzt Brest und ist in Weißrussland. Er hat mehr Glück gehabt – das Land ist dasselbe. Nur die Umstände sind anders.
Des weiteren: Er hat in Mittweida unterrichtet. Ich war in Mittweida, habe dort ein paar Jahre meines Lebens verbracht – nicht freiwillig. Was war schon freiwillig in den Jahren 1942 bis 1945, außer vielleicht der Feuerwehr! Daraus resultiert aber, dass ich doppelt so alt bin wie Michael Goller.

Genug Gründe, um sich mit IHM zu messen – im Sinne der Verständigung! Das heißt, ich möchte den Künstler Michael Goller aus Chemnitz kennen lernen, durch seine Bilder und Zeichnungen. Und das erwies sich zumindest theoretisch als nicht so einfach, nachdem ich den Satz von Alexander Stoll als Einführung in mein Wissen über "Gollersche Eigenheit" gelesen habe; ich zitiere: "Was flüchtig betrachtet vielleicht wie ein mehr oder weniger zufällig zusammengepinseltes Farbgebilde daherkommt, erweist sich bei genauerem Hinsehen jedoch als durchdachte Komposition." (Ende des Zitats).

Nun bin ich gekommen, um genauer hinzusehen! Übrigens – weitere Kritiken waren noch weniger ermutigend und verständlich. Vielleicht aus mangelndem Wortschatz bei mir. Vielleicht auch nicht.
Und da habe ich mir vorgenommen: Frag doch mal den Herrn Michael Goller, ob ER alles versteht und glaubt, was die Politiker sagen. Und dabei ist es doch immer gut gemeint, was sie sagen! Sowohl die Politiker wie auch die Kritiker!

Nun war es meine Aufgabe, Michael Goller und seine Arbeiten vorzustellen, was von allen interessiert aufgenommen wurde:

 

Sehr geehrte Görlitzer und Gäste, liebe Kunstfreunde, sehr geehrter Michael Goller,

zunächst bedanke ich mich beim Präsidenten des Schachvereins Görlitz 1990 Herrn Siegfried Müller sowie beim Bürgermeister von Zawidow, Herrn Józef Sontowski für die herzlichen Worte zur Begrüßung.
Wer schon einmal die Homepage unseres Schachvereins besucht hat, wird festgestellt haben, dass wir dort nicht nur über unser Vereinsleben, Punktspiele und das alljährlich stattfindende Äskulap-Turnier berichten. Wir bieten an dieser Stelle auch Künstlern eine Plattform, die sich in ihren Werken mit dem Thema „Schach“ auseinandersetzen.

Darum ist es mir nun eine besondere Freude, den Chemnitzer Maler und Lyriker Michael Goller mit seiner Ausstellung „Schachbilder“ zu begrüßen. Ermöglicht wurde dieses Projekt durch die NeisseGalerie Görlitz in Zusammenarbeit mit dem Görlitzer Schachverein. Mein Dank gilt an dieser Stelle Frau Ullrich und ihren Kolleginnen, die uns stets mit Rat und Tat bei der Vorbereitung der Ausstellung unterstützt haben.

Nun mehr zu Michael Goller und seinen Arbeiten:
Michael Goller wurde 1974 im heutigen Chemnitz geboren. Schon in seiner Kindheit entdeckte er seine Liebe zum Zeichnen. So entstanden mit 12 Jahren erste Federzeichnungen mit Landkarten, Menschen und Schriften. Seit seinem 14. Lebensjahr hat sich Michael Goller intensiv mit Malerei befasst. Seine ersten Ölbilder entstanden mit 18 Jahren.

Von 1995 bis 2000 folgte ein Medienstudium an der Hochschule Mittweida, das er mit dem Diplom abschloss. Dem schloss sich ein einjähriger Lehrauftrag für Mediendesign an dieser Hochschule an.

Während dieser Jahre durchlebte Michael Goller eine künstlerische Entwicklung, die sich prägend auf seinen heutigen Stil auswirken sollte. 1997 begann er das beidhändige Scheiben und Zeichnen. Es entstanden erste Bilder mit Ebenen. Er entwickelte eine eigene hieroglyphenartige Schrift, die Elemente des Bildes beschreibt. Die in die noch feuchte Ölfarbe geritzten Schriftsymbole in seinen Gemälden sind heute ein Markenzeichen Michael Gollers. Er hatte in den letzten Jahren u. a. Ausstellungen in Leipzig, Berlin, Hamburg und erst kürzlich im polnischen Katowice. Allein am heutigen Tage sind Arbeiten von ihm auch in Chemnitz, Dresden, Essen und Husum zu bewundern.

Fast alle Bilder Gollers haben zeichnerische Elemente. So finden sich auf seinen Bildern oft ähnliche Gegenstände – bei den hier in Görlitz gezeigten sind es oft Schachfiguren. Sein typisches "Bild im Bild" bildet den Kontrast zu Farbe und Fläche.

Die Übermalung ist ein Grundprinzip dieser Ausstellung und vielleicht Gollers künstlerischen Ansatzes überhaupt. Die untere Schicht, meist Inhaltsträger, bleibt nur noch fragmentarisch erhalten oder wird in Ausschnitten wieder "ausgegraben".

Hat Michael Goller in den hier gezeigten Stillleben aus den Jahren 2003 und 2004 noch alte Landkarten übermalt, so ist er inzwischen dazu übergegangen, die zu übermalende Bildebene selbst zu erstellen. Basis für die drei 2006 entstandenen Arbeiten mit dem Titel "Asperger-Syndrom" sind drei Werke aus einer fünf Jahre zuvor entstandenen Serie "42 Köpfe". Diese passen thematisch perfekt zu den "Internal Server Error"-Bildern. Es sind sehr persönliche und malerische Arbeiten. Ausgangspunkt war eine tiefere Beschäftigung mit autistischen Störungen.

Die beiden Papierarbeiten "Schachspieler" entstanden bereits 2001 in einer Folge von Papierarbeiten, die nach "Mensch und Werkzeug" sucht. So gibt es noch Tennisspieler, Mikrofonredner, Gitarrespieler usw. . Bei den hier gezeigten Schachspielern findet die prägende, äußerlich sichtbare Aktion in dem kurzen Moment des Interagierens mit der Schachfigur statt, wenige Sekunden des Aufnehmens und Absetzens der Figur. Die Idee des Spiels, die Absicht des Zuges, ist hingegen von außen nicht sichtbar, es ist nur eine fragmentarische Ebene. Die Malerei versucht nun dabei die Schnittstelle auszuloten zwischen innen und außen.

Die drei Bildnisse "Erinnerungen an Licht" entstanden 2006. Hier hat Michael Goller seine Künstlerkollegen Klaus Sobolewski und Peter Piek sowie sich selbst porträtiert. Die konkrete Person ist hier die untere Ebene, die hinter den Schachfiguren, hinter dem dialogischen Bewusstsein liegt. Es ist eine Wahrnehmung wie während eines Spiels. Zudem eine Suche nach Weiß, ein Vorgriff auf eine Entwicklung, die bis heute anhält.

Die kleinformatigen Stillleben mit Schachfiguren entstanden erst vor kurzem, in Fortführung des gleichen Gedankens. Eine konkrete Bildsituation (Hier wurden Vorlagen aus einem Werbeprospekt für Internet-Server verwendet!) und das konkrete Schachstillleben darüber sind sehr deutlich und plakativ. Die Frage nach dem Wert und der Art der Kommunikation stellt sich. Das hat Michael Goller immer schon beschäftigt, die Fragen wurden quälend bei der intensiven Begegnung mit Programmierungsstrukturen und forderten eine malerische Suche nach einer Antwort. Daran arbeitet er bis heute.

Das Schachspiel entwickelt sich aus einer dialogischen kommunikativen Situation. In gewisser Weise eine Sprache, ein Gespräch, statt aus Wörtern aus Zügen bestehend. Aus dem guten Spiel (wie auch aus dem guten Gespräch) entsteht ein eigenes Gesprächsbewusstsein, ein interdialogisches Subjekt. Es ist dann so, als würde zwischen den Gesprächsteilnehmern (oder Spielern) eine dritte Person auftauchen, die durch ihre Präsenz den Dialog steigert: Das dialogische Bewusstsein. So einen Versuch macht nun auch die Malerei, nach dem Bewusstsein dazwischen zu suchen. Mittel sind Ebenen, Fragmente, Einbrüche und die Hoffnung, dass im Malerischen sich alles findet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, Michael Gollers Arbeiten fordern den Dialog zwischen Bild und Betrachter. Sollen Sinn und Anliegen der Werke nicht verborgen bleiben, muss man sich ihnen nähern wie einem auszugrabenden Schatz. Die Realität in seinen Bildern ist nur Fragment, das sich mit anderen Dimensionen ergänzt zu einem Bildkosmos. Seine Bilder sind wie Eisberge. Sie umfassen das Ganze und zeigen dennoch nur einen kleinen Teil. Der Rest muss gefühlt werden, ist nicht in Worte zu fassen. Rechteckige Durchbrüche sind „Kommunikationspunkte“. Wie schwarze Löcher ziehen sie unsere Aufmerksamkeit auf sich. Eigentlich müsste der Betrachter viel mehr Zeit haben. Mindestens soviel wie das Malen des Bildes in Anspruch nahm, also oft Monate.

Wenn das Licht in Michael Gollers Atelier nachmittags gut zum Malen ist, entstehen langsam vielschichtige und vielgeschichtige Werke auf der Suche nach dem Urbild. Die Suche währt noch immer. Und wir können nur hoffen, dass er sein Ziel nie erreicht. Denn dann ginge uns ein großartiger Maler verloren.

 


Den Begriff vom "Urbild" griff Ulf Großmann nochmals auf und spannte den Bogen bis hin zum Görlitzer Philosophen Jakob Böhme.

Michael Goller ist mit seiner Ausstellung "Schachbilder" in Görlitz genau richtig. Kein Ort ist besser für diese Ausstellung geeignet: Görlitz als Stadt mit Symbolkraft zwischen Grenze und Dialog, Miteinander und Reibefläche. Wie Schach.

Die wenigen, aber sehr kunstinteressierten Besucher, die vorwiegend aus Mitgliedern vom Schachverein Görlitz und deren Angehörigen bestanden, haben zu einer zwar kleinen, aber sehr interessanten Vernissage geführt. Es kam für Michael Goller zu erkenntnisreichen Gesprächen.

Anett Sänger

© 2001-2011 Anett Sänger *** Schachverein Görlitz 1990 e. V.
letzte Aktualisierung am 06. Februar 2011